Zeitung war irgendwie entspannter

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich heute mal wieder von einem Fußballspiel berichtet, und zwar für waz.de/nrz.de/westfalenpost.de/wr.de/ikz-online.de, formerly known as derwesten.de, beim Spiel von Bayer Leverkusen gegen die SpVgg Greuther Fürth. Erkenntnis des Tages: Es war eigentlich immer vergleichsweise entspannt, das für die Zeitung zu machen (zumindest bei Samstagsspielen).

90 Minuten ein Fußballspiel angucken, Notizen machen, danach in der Mixed Zone den Spielern und bei der Pressekonferenz den Trainern ein paar Statements aus den Rippen leiern (Wir sind enttäuscht/froh/glücklich, wir haben als Mannschaft gewonnen/verloren/wasauchimmer…), weitere Notizen machen, mit Kollegen Eindrücke austauschen und diskutieren, abends das ganze nochmal im Aktuellen Sportstudio anschauen, sonntags mit den Kollegen den Platz abklären (falls man das nicht schon montags gemacht hat), schreiben, gut ist.Man hat also Zeit, das Spiel zu reflektieren, zu durchdenken und einen Text zu komponieren, der dem Leser zusätzliche Einblicke verschafft oder ihn überrascht – wie es mir hier hoffentlich gelungen ist.

Seltene Ausnahmen sind die Abendspiele, wenn anderntags eine Zeitung erscheint. Dann muss man wegen des Redaktionsschlusses in der Regel bis Abpfiff einen Text geschrieben haben, aber auch das ist beherrschbar. Online darf es gerne etwas mehr sein: der Spielbericht bei Abpfiff, die Einzelkritik möglichst auch (heute ca. vier Minuten nach Abpfiff), dann möglichst fix noch die Stimmen zum Spiel von Spielern, Trainern und sonstigen wichtigen Menschen in einem Text zusammenfassen und noch mindestens ein Zweitstück, das einen wichtigen Aspekt der Partie gesondert behandelt. Da qualmen die Finger ordentlich während des Spiels und man hofft und betet, dass sich das Spiel nicht noch spät dreht – die Kollegen auf Schalke dürften gestern beispielsweise schön in ihre Keyboards gebissen haben.

Einen Text mit Stimmen habe ich heute nicht gemacht, die Einzelkritik haben die Kollegen nicht auf die Seite gestellt (sie ist aber unten nachzulesen) – denn, bei allem Respekt, es war eben nur Leverkusen. Und Fürth.

Die Einzelkritik zu Bayer Leverkusen

Bernd Leno: Weitgehend beschäftigungslos, hielt in der 42. Minute gut gegen Nehrig. Note 3

Daniel Carvajal: Machte zunächst viel Druck über die rechte Seite, zog geschickt nach innen, sehr präsent im Kombinationsspiel. Ließ sich kurz vor der Halbzeit von Schmidtgal abkochen und verschuldete so fast das 0:1. Setzte in der 62. Minute großartig nach und legte Sam mustergültig das 2:0 vor. Note 2

Philipp Wollscheid: Wenig gefordert, dennoch aufmerksam und konzentriert, unbezwingbar in der Luft und am Boden. Note 2,5

Ömer Toprak: Kam kurz vor der Halbzeit zweimal zu spät gegen Nehrig, das hätte böse enden können. Ansonsten kaum gefordert. Note 4

Michal Kadlec: Offensiv trat er kaum in Entscheidung. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ließ er sich von Nehrig den Ball vom Fuß nehmen und eröffnete diesem eine Großchance. Note 5

Simon Rolfes: Ließ sich bei eigenem Ballbesitz bis zwischen die Innenverteidiger fallen, um von dort das Spiel aufzuziehen. Ballsicher, aber ohne überraschende Ideen. Hielt viel Druck von der Abwehr fern. Note 3

Lars Bender: Riegelte gemeinsam mit Rolfes und Castro das Zentrum ab. Zweikampfstark und ballsicher, nach vorne kam aber zu wenig. Note 3,5

Gonzalo Castro: Spielte etwas offensiver als Bender und kam dadurch zu mehr Aktionen, stand aber manchmal im Angriff zu hoch und fehlte dann als Anspielstation im Mittelfeld. Note 3

Karim Bellarabi (bis 46.): In der Anfangsphase bester Leverkusener. Wirbelte auf rechts und stellte die Fürther Abwehr ein ums andere Mal vor große Probleme, vergab aber die frühe Großchance zum 1:0. Baute ab Minute 20 stark ab und blieb nach der Pause draußen. Note 3,5

Stefan Kießling (bis 87.): Schwaches Spiel des Mittelstürmers. Lief viel und war an vielen Spielzügen beteiligt – meist aber als Endstation. Verdaddelte aussichtsreiche Situationen (5./8.), kam selten zum Abschluss – und dann vergab er kläglich. Ging in der 53. Minute ins Dribbling anstatt den völlig frei vor dem Tor stehenden Schürrle anzuspielen. War immerhin präsent im Pressing und arbeitet gut nach hinten mit. Note 5,5

Andre Schürrle (bis 80.): Bis zur Halbzeitpause war das gar nichts. Da lief das Spiel an Schürrle vorbei und Schürrle am Spiel – und wenn er mal zum Abschluss kam, waren harmlose Schüsschen das Resultat. Kam aber wie verwandelt aus der Kabine, gab die Vorlage zum 1:0 und leitete das 2:0 ein, bediente auch Kießling in aussichtsreicher Position (57.). Und hätte der sich in der 53. Minute revanchiert, hätte Schürrle wohl auch einen eigenen Treffer auf dem Konto gehabt. Note 2,5

Sidney Sam (ab 46.): War kaum auf dem Platz, da traf er schon. Zeigte beim 1:0 seine überragende Schnelligkeit und Ballsicherheit, als er Kleine ins Leere laufen ließ, brauchte beim 2:0 nur den Fuß hinzuhalten. Rochierte gut mit Kießling und Schürrle, ließ den Ball sauber laufen. Manchmal aber etwas zu verspielt. Note 2

Hajime Hosogai (ab 80.): ohne Note

Junior Fernandes (ab 87.): ohne Note

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