Wie sich Paris Hilton einmal nicht blamierte (dafür viele andere)

Pris Hilton
Bunt und schrill – so kennt man Paris Hilton. (Bild: celebboy via Wikimedia unter cc-by-2)

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sich über die Blödheit anderer Leute lustig machen kann. Es macht auf eine primitive Art und Weise Spaß und es gibt die wohlige Gewissheit, dass man im Vergleich doch eigentlich ziemlich schlau ist. Paris Hilton ist da immer wieder ein dankbares Ziel – und gestern war es mal wieder so weit.

Kurz nach der Nachricht über den Tod Nelson Mandelas machte das hier auf Twitter die Runde:

Tweet von @ParisHilton, indem sie die 'I have a dream'-Rede Nelson Mandela zuschreibt

Nelson Mandela mit Martin Luther King verwechselt? Heißa, da war was los. Meine Timeline quoll über vor Häme über das, was die dumme blonde Schnepfe sich da mal wieder geleistet hatte. Und weil die Frau ja aus den USA kommt, konnte man sich bei der Gelegenheit auch noch wunderbar über das Bildungssystem in Amiland lustig machen, wo diese dummen Cowboys ja nichts über Welt jenseits der Prärie lernen.

So schlimm kann das aber gar nicht sein mit der US-Bildung, hat doch Fräulein Hilton offensichtlich ziemlich ordentliches Deutsch gelernt:

Tweet von @ParisHilton, idem sie auf deutsch erklärt, der vorherige Tweet sei ein Fake, sie kenne Mandela gar nicht

Spätestens jetzt sollte der geneigte Leser merken: Irgend etwas stimmt da nicht. Und tatsächlich spricht sehr viel dafür, dass der angebliche Tweet von Paris Hilton ein Fake ist – noch dazu kein ganz besonders geschickter. Ich bin mir sicher, dass das Ding auf lemmetweetthatforyou.com gebastelt und dann nachträglich per Photoshop der blaue Haken eingefügt wurde (den ich mir bei meinem Nachbau geschenkt habe). Dafür spricht, dass der angebliche Tweet genauso aussieht wie das, was bei dieser Seite rauskommt – und eben nicht genau wie ein echter Tweet, zumindest in keinem mir bekannten Client. Außerdem hat Fräulein Hilton ein Alibi: Zur fraglichen Zeit saß sie im Flugzeug aus Paris (kein Scherz) nach Miami.

Was das für all die Leute heißt, die sich vorher genüsslich über das dumme Blondchen und die mangelhafte Bildung in seinem Heimatland lustig gemacht haben, führe ich mal nicht weiter aus. Hoffentlich erkennen sie wenigstens den Spiegel, der ihnen vorgehalten wird. Und die alte Leier über Recherche und kritischen Umgang mit Quellen schenke ich mir auch. Es ist einfach zu ermüdend, das ständig zu wiederholen.

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