Bundesliga-Start – oder: Der Wahnsinn geht wieder los

Sonntagmorgens nach Chemnitz heizen, Sonntagabend wieder zurück. Zwei Wochen später die gleiche Übung, nur noch weiter – bis Ingolstadt. Frei Wochenenden nur noch vom Hörensagen kennen und nach einem halben Jahr überrascht feststellen, wie groß die Tochter schon wieder geworden ist. An Trainingsgeländen und in Stadionkatakomben herumlungern, endlöse Stunden in Zügen und auf der Autobahn verbringen – und dabei einen der besten Jobs der Welt haben. Kurz gesagt: Die Fußball-Saison hat endlich begonnen – bei mir wie immer von dem Vorsatz begleitet, an dieser Stelle mehr vom Drumherum zu erzählen, kurz: diesen Blog mehr zu pflegen.

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Das Chemnitzer Stadion

Chemnitz war ohne Zweifel ein besonderer Spaß: Morgens um sieben Uhr ging es in Essen los, über immerhin meist fantastisch ausgebaute und wenig befahrene Autobahnen, bis das Navi irgendwann empfahl, an einer großen Baustelle rechts abzubiegen, wo dann einige Ordner den Weg zu einer staubigen Fläche neben einigen Containern wiesen – das war der Parkplatz, die Baustelle das Stadion und die Container die Umkleidekabinen sowie der Pressearbeitsraum, in dem später auch die Pressekonferenz mit den Trainern stattfinden sollte.

Die Perspektive der Journalisten
Die Perspektive der Journalisten

Im Stadion dann die nächste Überraschung: Da die Haupttribüne umgebaut wurde, saßen wir Journalisten hinter dem Tor auf Höhe des Spielfelds. Eine interessante Perspektive mal, aber was vor dem gegenüberliegenden Tor geschah, war bestenfalls zu erahnen – zumal wir auch noch in die knallende Sonne guckten. Die Metallklapptische vor uns waren so aufgehitzt, dass man ein Ei drauf hätte braten können. Mit jeder Minute fluchte ich lauter über den Ordner, der mir meine Wasserflasche abgenommen hatte, während der Kollege neben mir sehnsüchtig an die Klimaanlage im Auto dachte – und an die Sonnenbrille, die auf dem Armaturenbrett lag.

Eine Woche später in Dortmund war die Umgebung zwar vertraut, auf dem Platz aber geschah ungewöhnliches: Borussia Mönchengladbach wurde mal eben mit 4:0 weggefidelt, eine Niederlage, die sogar noch zu niedrig ausfiel. Und die schon vorher große Aufregung um den neuen Trainer Thomas Tuchel bekam noch abgedrehtere Züge als ohnehin schon.

Ob denn der Erfolg gegen Gladbach auf die neue Ernährung zurückzuführen sei, wurde etwa Marco Reus gefragt, obwohl die – so beteuert man beim BVB – so anders gar nicht ist. Oder die Sache mit dem Kameramast in der Mitte des Platzes, der beim ersten Training unter Thomas Tuchel zum Einsatz kam und aufgeregt als ein Zeichen des Neuanfangs gedeutet wurde – dabei gab es den Mast auch schon unter Tuchel-Vorgänger Jürgen Klopp gelegentlich. Generell las sich zuletzt manches so, als sei der BVB in den vergangenen Jahren von einem taktischen Analphabeten trainiert worden.

Julian Weigl ist die Entdeckung

Natürlich hat auch mir gefallen, was ich gegen Gladbach oder beim 5:0 gegen den Wolfsberger AC gesehen habe. Gündogan, Hummels, Mkhitaryan und – ja, auch – Schmelzer sind in toller Form, Weigl ist schon jetzt eine der Entdeckungen der Saison und für mich der Gewinner der Vorbereitung. Gut zu sehen, dass der BVB den überfallartigen Konter nicht verlernt hat – aber nun auch sehr viel geduldiger spielen, sich den Gegner zurecht legen kann.

Die ersten beiden Tore gegen Gladbach resultierten genau daraus: Auf der rechten Seite wird das Spiel durch viele kurze Pässe aufgebaut, dann schnell über Sokratis auf halblinks zu Hummels verlagert. Und der hat nun Platz für einen schnellen Vertikalpass, der einmal bei Kagawa und einmal bei Schmelzer landet – und beide Male klingelt es kurz danach. Dass dies so schnell und mühelos klappen kann, hat auch mit Tuchels Detailversessenheit zu tun – beispielsweise der Frage, in welchen Fuß der Ball gespielt bzw. mit welchem Fuß der Ball angenommen werden soll. Auch diese Akribie ist nichts Neues, wie dieser Text von 2012 zeigt – in Mainz wurde es nur nicht so stark wahrgenommen wie jetzt, als Nachfolger Klopps bei einem der größten Vereine Deutschlands.

Der BVB war gut – und Gladbach schwach

Bei all der Begeisterung darf aber auch nicht vergessen werden, dass sich Gladbach gegen den BVB auch nicht besonders geschickt anstellte. Beim 1:0 hatten Passgeber Kagawa und Vollstrecker Reus bemerkenswert viel Platz, beim 2:0 konnte Schmelzer komplett ungestört flanken – und so ging es weiter. Gerade auf der Sechs, im defensiven Mittelfeld, stimmte bei den Fohlen wenig – der abgewanderte Kramer scheint eine größere Lücke zu hinterlassen als gedacht.

Was die Dortmunder Erfolge wert sind, werden die kommenden Wochen zeigen, spätestens der fünfte und der achte Spieltag: Dann geht es gegen Bayer Leverkusen und Bayern München. Und nächste Woche erst einmal nach Ingolstadt – BVB Sportdirektor Michael Zorc hat ja bereits angekündigt, dass es dort schwerer als gegen Gladbach wird.

2 Antworten auf „Bundesliga-Start – oder: Der Wahnsinn geht wieder los“

  1. Gerne mehr davon – ich mag deinen Schreibstil und den Blick „hinter die Kulissen“. Aber das mit den guten Vorsätzen bzgl. des Bloggens kenne ich auch nur zu gut 😉

    1. Das Grundthema eines jeden Bloggers: Ab jetzt mache ich das jetzt aber wirklich sowas von regelmäßig…. Na gut – ab morgen.

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