Morgens im Pott

Die SMS kam am Samstagmittag. Ob ich nicht Lust hätte, am Sonntag auf Haldentour zu gehen, fragte mein guter Freund und Trauzeuge. Er wolle Fotos machen, man könne ja so etwa um halb sieben losfahren. Und weil man ja in der Kombination Journalist/Familienvater ohnehin viel zu viel Schlaf bekommt, sagte ich zu.

Als ich am Abend vom Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Gladbach nach Hause fuhr, fiel mir meine alte Minolta XD7 wieder ein. Super, dachte ich, das ist doch eine tolle Gelegenheit, die mal wieder auszuprobieren. Also hielt ich beim Drogeriemarkt meines Vertrauens, wo ich feststellen musste, dass die Auswahl an Farbfilmen in den vergangenen Jahren rapide geschrumpft ist. Ich kaufte drei 36er-Filme mit ISO 200 – es gab halt nichts Anderes.

Am nächsten Tag saßen wir morgens im Auto und steuerten das Tetraeder in Bottrop an. Es war kalt. Schweinekalt. Es ging noch, als man den Weg die Halde hoch stapfte. Es ging nicht mehr wirklich, als man oben im Wind stand. Trotz mehrerer Schichten Klamotten, trotz Handschuhen, Mütze und dicken Schuhen.

Warten auf die Filme

Aber für die Aussicht lohnte es sich. Wir blieben, bis wir unsere Finger wirklich überhaupt nicht mehr spürte, ich knipste mehrere Filme voll. Dann ging es noch zum Hafen. Gucken, ob neue Graffiti da sind, sagte mein Trauzeuge. Es waren neue da. Einen weiteren vollen Film später ging es nach Hause – und für mich anderntags zum Drogeriemarkt: Filme wegbringen. Als ich das letztmals gemacht hatte, galt noch das Versprechen, dass die Bilder innerhalb von zwei Werktagen fertig sind, ansonsten bekam man einen 24-er Farbfilm geschenkt. Inzwischen steht da nur noch: etwa eine Woche.

Sieben Tage später hatte ich die fertigen Bilder – und sofort war da das bekannte Gefühl aus meiner Jugend: dass viele Bilder einfach nicht so geworden sind, wie ich sie mir vorgestellt habe. Mal zu hell, mal zu dunkel, mal doch etwas unscharf, mal die falsche Tiefenschärfe. Hier hatte sich ein Staubkorn oder Haar während des Produktionsprozesses dazwischen gemogelt, dort gab es eine unerwartete Lichtreflexion. Ein paar sind aber ganz nett geworden – und eigentlich ist dieser ganze Text auch nur eine Ausrede, um sie mal zu zeigen.

Fazit: So eine Haldentour zum Sonnenaufgang ist absolut zu empfehlen. Die Minolta DX7 nicht mehr uneingeschränkt.

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