Des Kickers Bärendienst

Die Frage ist schon seltsam, die Antwort erst recht:

Wenn man ihre Werbepartner adidas, Coca-Cola, Allianz und Sony sieht, sind sie schon ein Topstar. Wofür möchten Sie als Werbepartner stehen?

Manuel Neuer: Ich wähle Partner, hinter denen ich auch stehe. Es muss zu mir passen. Allianz zum Beispiel steht für Rückhalt, wie ich als Torwart auch. Coke zero steht für das Zu-null, das ich immer schaffen will; Sony für die Schärfe des Bildes, die ich auch benötige. Außerdem sollten solche Partnerschaften langfristig laufen.

Häh?!? Abgesehen davon, dass mich die Erklärung zu Nutella jetzt wirklich interessiert hätte: Der Kicker, der damals die Berichterstattung zu Thomas Hitzlsperbergers Homosexualität – mit der Begründung „Das Privatleben der Spieler interessiert uns nicht“ – verweigerte, fragt nach Neuers Werbepartnern?

Für solche Fragen gibt es zwei mögliche Gründe und beide sind nicht schön. „Des Kickers Bärendienst“ weiterlesen

Der Nachrichten-GAU

Atomkraftwerk in Saporoschje (Bild: Ralf 1969 via CC BY-SA 3.0)

Wer als Nachrichtenredakteur arbeitet, hat in der Regel ein dickes Fell entwickelt. Es gibt wenig Meldungen, die einen dann noch richtig erschrecken; was im Nachrichtenticker über den Bildschirm läuft oder als Eilmeldung rot aufblinkt, wird meist unter rein professionellen Gesichtspunkten bewertet: Wie groß ist der Nachrichtenwert? Ist das wirklich neu? Ist die Quelle zuverlässig?

Am Mittwoch war das anders: Mein Dienst in der Online-Redaktion des Deutschlandfunks neigte sich dem Ende entgegen, da ploppte gegen Mittag eine Eilmeldung von Reuters aus: „EIL – Atomunfall im Südosten der Ukraine“ hieß es da. „Ach du Scheiße!“, hieß es bei uns. Denn die Assoziationskette war wohl überall die gleiche: Ukraine – Atomunfall – Tschernobyl.

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Embedded – Wie ARD und ZDF bei der WM den Journalismus aufgeben

Eigentlich war es ein ganz normales Interview: Luis Suarez, Nationalspieler Uruguays, blieb an einem orangefarbenen ZDF-Mikrofon stehen und es entwickelte sich ein Gespräch, wie es nach Fußballspielen meist vorkommt. Wie sich der Stürmer denn so fühle nach dem Sieg seines Teams gegen Italien, ob er glücklich sei etc. Ein Gespräch eben, das nach jedem Fußballspiel dutzendfach in den Stadionkatakomben geführt wird und dessen Erkenntniswert schon nach normalen Spielen gegen Null geht.

Dies aber war kein normales Spiel – und das Interview war der Tropfen, der für mich das Fass zum Überlaufen gebracht hatte.

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Mein schwarz-gelbes BVB-Wochenende in Berlin

BVB-Fans in Berlin
Einen Pokal hatte diese Dame schon dabei – ein zweiter kam nicht hinzu.

Viele (fußballinteressierte) Menschen waren sehr neidisch, als sie von meinem Programm für das vergangene Wochenende erfuhren: Berlin, DFB-Pokalfinale, Borussia Dortmund gegen Bayern München, drei Tage in der Hauptstadt – und das auch noch mit der BVB-Medienreise, also An- und Abreise mit der Mannschaft.

Zugegeben, es gibt deutlich schlimmeres im Leben. Aber so ein Wochenende bedeutet vor allem harte Arbeit, während um einen herum viele Menschen in Schwarz-Gelb sehr hart feiern. Für all jene, die das nicht glauben (wie zum Beispiel meine Frau), hier mal der Ablauf des Wochenendes. „Mein schwarz-gelbes BVB-Wochenende in Berlin“ weiterlesen

Wie sich Paris Hilton einmal nicht blamierte (dafür viele andere)

Pris Hilton
Bunt und schrill – so kennt man Paris Hilton. (Bild: celebboy via Wikimedia unter cc-by-2)

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sich über die Blödheit anderer Leute lustig machen kann. Es macht auf eine primitive Art und Weise Spaß und es gibt die wohlige Gewissheit, dass man im Vergleich doch eigentlich ziemlich schlau ist. Paris Hilton ist da immer wieder ein dankbares Ziel – und gestern war es mal wieder so weit.

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Pressefreiheit gilt auch für die Brigitte

Heißa, was für eine Aufregung: Das Oberlandesgericht München hat die Presseplätze für den NSU-Prozess neu vergeben – besser gesagt: Es hat sie verlost. Und jetzt ist die Empörung groß. Die FAZ ist nicht dabei! Die taz auch nicht! Die Welt nicht! Der Stern nicht! DIe Zeit auch nicht! Dafür unter anderem Kabel 1, Ebru TV, Charivari, Radio Lotte Weimar – und die Brigitte (die vollständige Liste gibt es hier).

Und schon ist das Wehklagen groß: „Ein schlechtes Los“, schreibt Spiegel Online, „Eine Liste wie eine Farce“, ergänzt sueddeutsche.de. Und wie so oft, wenn Medien in eigener Sache berichten, wird vor lauter hyperventilieren nicht mehr ganz so genau auf die Fakten geachtet. „Pressefreiheit gilt auch für die Brigitte“ weiterlesen

Zeitung war irgendwie entspannter

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich heute mal wieder von einem Fußballspiel berichtet, und zwar für waz.de/nrz.de/westfalenpost.de/wr.de/ikz-online.de, formerly known as derwesten.de, beim Spiel von Bayer Leverkusen gegen die SpVgg Greuther Fürth. Erkenntnis des Tages: Es war eigentlich immer vergleichsweise entspannt, das für die Zeitung zu machen (zumindest bei Samstagsspielen).

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Dreiste Unternehmen, die sich mit der Leistung anderer die Taschen voll machen

Ernst Elitz war mal eine große Nummer im deutschen Journalismus, immerhin erster Intendant des Deutschlandfunks (wenn auch nicht Gründungsintendant, wie er selbst und seine Freunde von der Bild-„Zeitung“ gerne behaupten). In den letzten Jahren aber scheint er ein wenig – wie sage ich es freundlich – den Anschluss verloren zu haben an die aktuellen Entwicklungen in der Medienwelt. So fabulierte er neulich in einem Kommentar in der Bild unter der Überschrift „Ein gutes Gesetz!“ folgendes daher:

Google und andere Suchmaschinen greifen Texte ab […] und stellen sie ins Netz.

Kenner der Materie merken: Es geht ums Leistungsschutzrecht, dass vor allem die Bild und ihr Chef-Lobbyist Christopher Keese, aber auch viele andere Verlage so gerne hätten. Mit dem Leistungsschutzrecht wollen Verlage, verkürzt gesagt, erreichen, dass sie Lizenzgebühren erhalten, wenn jemand wie Google auf ihre Texte verweist. Mit vielen der mehr oder weniger sinnvollen Argumente für ein Leistungsschutzrecht hat Stefan Niggemeier sich hier und hier schon detailliert beschäftigt, das muss nicht alles wiedergegegeben werden.

Dass aber Google Texte aus Zeitungen eigenhändig online stellt, ist mir komplett neu und diesen Service würde ich mir auch für meine Arbeit wünschen – bisher müssen wir das noch selbst erledigen. Elitz beweist mal wieder, dass er zwar zu allem eine Meinung, aber nicht von allem Ahnung hat. Und falls es jemanden interessiert, was ich in dem Zitat weggelassen habe – es war folgender Einschub: „in harter Arbeit recherchiert, mit Sachverstand geschrieben“. Sachverstand. Quod erat demonstrandum.

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Und, wie fühlen Sie sich so?

Quasselte sich gelegentlich um Kopf und Kragen: Béla Réthy. Foto: Martin Lindner via CC BY-SA 3.0

Es war ein Spiel, dass reichlich Gesprächsstoff bot. Deutschland war mit einer überraschenden Aufstellung (zumindest, bis ein Maulwurf sie ausplauderte) angetreten; Klose, Reus und Schürrle spielten statt Gomez, Müller und Podolski. Die Wechsel gingen auf, die deutsche Offensive brillierte, erarbeitete sich Chance um Chance und traf viermal. Die Defensive dagegen erlaubte sich einige Konzentrationsschwächen und ließ die Griechen aus zwei Angriffen zwei Tore machen. Und Bastian Schweinsteiger präsentierte sich erschreckend weit entfernt von seiner Normalform. Über all das hätte man nach dem Spiel reden können, zum Beispiel mit Sami Khedira.

Auftritt Boris Büchler, Mikrofonhalter des ZDF am Spielfeldrand (hier in voller Länge anzusehen).

  • Frage 1: Wie intensiv schlägt ihr Fußballherz nach diesen 90 Minuten, nachdem Sie ein Tor gemacht und eine richtig gute Partie abgeliefert haben?
  • Frage 2: Inwiefern war es so ein Bisschen Fußball-Moderne gegen Fußball-Antike?
  • Frage 3: Wie ordnen Sie den Leistungsstand der deutschen Mannschaft ein nach dem ersten K.o.-Spiel, auch mit Blick auf die kommenden Aufgaben?

So langsam konnte man sich die Frage stellen, womit Boris Büchler die vorhergehenden 90 Minuten verbracht hatte. „Und, wie fühlen Sie sich so?“ weiterlesen

Futter für Taktikfans

Bald ist bekanntlich Europameisterschaft und das heißt, dass die große Zeit der EM-Sonderhefte wieder angebrochen ist. Ich habe vor einigen Jahren schon aufgehört, mir Sonderhefte zu kaufen. Im kicker-Heft steht alle Jahre irgendwie das gleiche drin, es werden alle Teams vorgestellt, der Ball, die Schiedsrichter, der Ball, das deutsche Quartier, ein paar Ex-Fußballer zu den Aussichten der deutschen Mannschaft interviewt und ganz hinten schreibt Django Asül eine furchtbar unkomische Kolumne. Man bekommt zwar viele Informationen, aber alle sprachlichen, optischen und gestalterischen Innovationen werden vom kicker seit Jahrzehnten tapfer ignoriert.

Die 11 Freunde-Hefte lese ich wirklich gerne, weil sie einen unkonventionellen Blick auf den Fußball riskieren und das Ganze nicht so ernst nehmen. Gelegentlich übertreiben sie allerdings damit, gerade in den Sonderheften habe ich mir zuletzt hier und da doch die eine oder andere harte Information zwischen all den lustigen kuriosen oder skurrilen Geschichten gewünscht. Und die Sport-Bild kann ich eh nicht ganz ernst nehmen.

In diesem Jahr gibt es noch ein weiteres Sonderheft von den Machern des Blogs spielverlagerung.de, den ich hier schon einmal lobend erwähnt habe. Das Heft ist nur als E-Book zu kaufen (Details gibt es hier, einige Leseproben hier), kostet 5,95 € und der erste Eindruck ist erst einmal abschreckend: 203 Din-A-4-Seiten voll mit Text, mit einer Gestaltung, von der ich behaupte, dass das Layout meiner Diplomarbeit ansprechender war.

Das Lesen lohnt aber. „Futter für Taktikfans“ weiterlesen