Dreiste Unternehmen, die sich mit der Leistung anderer die Taschen voll machen

Ernst Elitz war mal eine große Nummer im deutschen Journalismus, immerhin erster Intendant des Deutschlandfunks (wenn auch nicht Gründungsintendant, wie er selbst und seine Freunde von der Bild-„Zeitung“ gerne behaupten). In den letzten Jahren aber scheint er ein wenig – wie sage ich es freundlich – den Anschluss verloren zu haben an die aktuellen Entwicklungen in der Medienwelt. So fabulierte er neulich in einem Kommentar in der Bild unter der Überschrift „Ein gutes Gesetz!“ folgendes daher:

Google und andere Suchmaschinen greifen Texte ab […] und stellen sie ins Netz.

Kenner der Materie merken: Es geht ums Leistungsschutzrecht, dass vor allem die Bild und ihr Chef-Lobbyist Christopher Keese, aber auch viele andere Verlage so gerne hätten. Mit dem Leistungsschutzrecht wollen Verlage, verkürzt gesagt, erreichen, dass sie Lizenzgebühren erhalten, wenn jemand wie Google auf ihre Texte verweist. Mit vielen der mehr oder weniger sinnvollen Argumente für ein Leistungsschutzrecht hat Stefan Niggemeier sich hier und hier schon detailliert beschäftigt, das muss nicht alles wiedergegegeben werden.

Dass aber Google Texte aus Zeitungen eigenhändig online stellt, ist mir komplett neu und diesen Service würde ich mir auch für meine Arbeit wünschen – bisher müssen wir das noch selbst erledigen. Elitz beweist mal wieder, dass er zwar zu allem eine Meinung, aber nicht von allem Ahnung hat. Und falls es jemanden interessiert, was ich in dem Zitat weggelassen habe – es war folgender Einschub: „in harter Arbeit recherchiert, mit Sachverstand geschrieben“. Sachverstand. Quod erat demonstrandum.

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Die Meute und ihr Herdentrieb

Es hat wohl schon länger keinen 1. April gegeben, an dem sich so viele Leute haben verarschen lassen. Und im Nachhinein ist es schwer zu sagen, wer damit angefangen hat. Sicher ist, dass sich Sky mit seinem „Newssender“ ein wenig zu weit aus dem Fenster lehnte, als Christopher Lymberopoulos live auf dem Sender verkündete, Stale Solbakken sei entlassen und Frank Schaefer werde übernehmen. Lymberopoulos ist nicht irgendwer, sondern war früher Pressesprecher beim FC. Deswegen galt er als gut informiert. Das dürfte jetzt aber erst einmal vorbei sein. „Die Meute und ihr Herdentrieb“ weiterlesen

Wulffs Gnadengesuch

Je länger ich mir das Wulff-Interview angesehen habe, desto länger wurde mein Gesicht. Maximallänge hatte es dann bei diesem Satz erreicht:

„Es gibt auch Menschenrechte – selbst für Bundespräsidenten.“

Oh bitte. Musste das sein?

Hat das irgend jemand in den vergangenen Wochen in Abrede gestellt? Hat sich irgend ein Politiker oder sonst jemand hingestellt und gefordert, dem Präsidenten sofort die Menschenrechte zu entziehen? Hat ihm jemand das Recht auf körperliche Unversehrtheit streitig gemacht oder das Recht auf Bildung (bei einigen seiner Sätze scheint das zumindest nicht ganz unplausibel). Nein, nicht einmal CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt oder sein Parteikollege, der sogenannte Innenexperte Hans-Peter Uhl, die sich sonst für keine abwegige Forderung zu schade sind. Liebe Bettina Schausten, lieber Ulrich Deppendorf: Man hätte an der Stelle ja mal nachhaken können, inwiefern das Anlügen des niedersächsischen Landtags oder das Unterdrücken von Berichterstattung ein Menschenrecht sind.

Aber nein, das hat Wulff ja gar nicht getan. Sagt er. Und dann sagt er noch so einiges mehr, was ein wenig zweifelhaft daherkommt. „Wulffs Gnadengesuch“ weiterlesen